Im Frühjahr 2002 entschloss ich mich meine Computerfirma, die ich aufgebaut und 15 Jahre geführt habe zu schliessen. Das Geschäft mit Hard- und Software war bereits seit vielen Monaten eine mühselige Sache. Die Energie die ich in den letzten Jahren täglich für die Firma aufwandte war sehr gross. Der Spass am Geschäft, die Freude an der Arbeit blieb dabei auf der Strecke - es war ein “burn-out". Per 31. August 2002, auf den Tag genau 15 Jahre nach der Gründung, löste ich meine Firma auf. Im Sommer 2002 begann ich mit der Stellensuche und per 1. Sept. 2002 war ich stellenlos.

Ab Februar 2003 hatte ich bei SXW Swiss Exchange, Zürich, Gelegenheit bei die Einführung des neuen Siebel-CRM-System mitzuwirken. Ende April 2004 war dieses Projekt abgeschlossen.

Im Mai 2003 bekam ich Kenntnis von einem Programm der SECO, das Stellenlosen eine vorübergehende Beschäftigung in Osteuropa bieten, mit dem Ziel westliches Know-how den Unternehmen in diesen Schwellenländern zukommen zu lassen. Kurz entschlossen meldete ich mein Interesse an einem solchen Einsatz an. Bis Januar 2004 erhielt ich mehrere Anfragen aus Ost- und Mitteleuropa und per Ende April 04 war das Ende der Arbeiten bei SWX in Sicht. Ich entschloss mich für eine Projektofferte aus Litauen. Per 1. Mai 2004 kamen die baltichen Staaten in die EU und wurde ohne Probleme bereisbar. Ende Mai 2004 stopfte ich alles was nötig und nützlich war in meinen Fiat Punto und startete am 22. Mai 2004 Richtung Klaipeda.

Das Projektziel dieses Praxistransfer war, für eine Firma in Kaunas, die Branchen- Telefonbücher herstellt und vertreibt, in Klaipeda das Zweigbüro “Litauen West" auf die Beine zu stellen; d.h. anfangen bei NULL. Eine Aufgabe wie geschaffen für mich - dachte ich.

Was ich bald schone feststellen musste war der grosse Mentalitätsunterschied. Mit der Art und Weise der Leute, die geprägt ist von der “Misstrauensgesellschaft" der Sowietzeit (Litauen war bis 1991 ein sowietischer Satellit) tut sich der “Wessis", ohne spezifische Landeserfahrung, sehr schwer und tapt fast täglich in diese „Abseitsfalle“; denn die Leute sehn zwar glech aus wie wir „Wessis“ dabei wird dieser Umstand, ich bezeichnete es als “Linksgewinde", oft vergessen.

Die Schwierigkeiten mit der Geschäftsleitung der lokalen Firma nahmen stetig zu. Abmachungen wurden nicht eingehalten, die Leerläufe häuften sich, Vorschläge gingen in «verbalen Staublawinen» unter, fällige Entscheide wurden kaum getroffen. Am 23. August wurde das Projekt dann offiziell abgebrochen. Am 8. September packte ich wieder meinen Fiat Punto und startete Richtung Zürich.

Auf die Frage wie es in Litauen war kann ich keine pauschale Antwort geben. Privat habe ich in Litauen viel Schönes gesehen und erlebt, viele Leute kennen gelernt und neue Freunde gefunden. Beruflich war die Tätigkeit eine neue und spannende Aufgabe. Mit Blick auf den Projekterfolg von «Yellow Pages», unter den örtlichen Voraussetzungen und der lokalen Firmakultur - war dieses Projekt, wie es sich im Laufe der ersten fünf Wochen zeigte, eine Fehlinvestition.

Mein spezieller Dank für die Gast- und Freundschaft geht an:
Antanas dem Vermieter, Laura meiner Assistentin für die lokalen Angelegenheiten, die Mädels vom Tourist Office Klaipeda, Arnold und der «Oma» vom Simon Dach Haus, Vilam und Ramonas, Holger, Jogundas, Mindougas, Milda und ihrem “Bruder" in Kalvaria, Rasa vom Tourist Office in Plateliai, Susanne Kettler von der Heilsarmee, u.v.a.m. die hier namentlich nicht genannt sind.